Geld > Mensch

25. August 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 8
Geld > Mensch

„Sobald es um Geld geht, hört die Freundschaft auf.“ – der Satz klingt mir in den Ohren, als hätte ich ihn gerade erst aus seinem Munde gehört, dabei muss das schon Jahre her sein. Jahre, in denen ich glaubte, dass die Moral immer siegen würde. Jahre, in denen ich fest davon überzeugt war, dass der Mensch an sich gut sei.

Irgendwann in der Schule wurde mir der Begriff der Humanisten vor die Füße geworfen. Ein wissenschaftlicher Zweig, der an das Gute im Menschen glaubt und sich gesellschaftliche Grundüberzeugungen zu eigen macht, die fast zu schön klingen, um wahr zu sein: Der höchste Wert in der Gesellschaft ist das Glück des Einzelnen, der Mensch muss respektiert werden, hat die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und auch der stetige Fortschritt sollte nicht vergessen lassen, dass die Freiheit des Menschen gewährleistet sein muss.

Als mein Lehrer vor der Klasse davon erzählte, saß ich da in meinem jugendlichen Zynismus und meiner Distanziertheit allem gegenüber, was einem von einem Lehrer vorgebetet wird und dachte mir „Was für ein Schwachsinn, der Mensch ist nicht gut.“ – mit der Zeit stellte ich jedoch immer wieder fest, dass ich das insgeheim und ganz für mich eben doch glaubte. Glauben wollte. Und ich lebte stets danach, anderen zu helfen, sofern sie mich um Hilfe baten. Ganz gleich, wer das nun war. Einfach nur, weil ich mir auch Hilfe erhoffe, wenn ich jemanden darum bitte.

Vielleicht ist es das Erwachsenwerden, vielleicht sind es die Ereignisse der letzten Wochen, vielleicht ist es aber auch etwas ganz anderes, was mich erkennen lässt, was meine jugendliche Idiotie plakativ bereits vor Jahren erkannte: Der Mensch ist nicht gut. Der Mensch hat zwar Mitgefühl und ist bereit zu helfen, ja, aber das nur, solange er selbst dabei nicht verliert. Die Wahrheit scheint zu sein, dass jeder nur an sich selbst interessiert ist – vor allem und gerade dann, wenn es um Geld geht.

Ja, sobald es um Geld geht, hört die Freundschaft auf. Sobald es um Geld geht, hört das Menschsein auf.


  1. Mein Portmonee leuchtet übrigens immer so, wenn es Hunger hat.

  2. Aber auch wenn Du glaubst, dass manchmal das Menschsein aufhört (und damit hast Du absolut recht), kannst Du versuchen, ein guter Mensch zu bleiben. Lebe anderen Deine Werte und Deine Moral vor. Glaube mir, auch die schlechten Menschen kriegen das mit und wenn Du nur einen von ihnen zum Nachdenken bringst, hast zu schon gewonnen. Außerdem können die Schlechten nur überleben, wenn es genug Gute gibt! Ich hab Dich lieb.

  3. ich muß nachfragen, weil es sonst einen komisch skurrilen sinn erhielte: du meinst verlieRt, nicht verlieBt, oder?

  4. Ups, wie ist mir denn da das b reingerutscht :D Entschuldige.

  5. Einspruch Euer Eheren! Ich für meinen Teil hab inzwischen ja nicht nur mein Jugend und mein Studium hinter mir, sonder auch noch eine eigene Firma, die ich mich Freunden gegründet habe und meinen ersten großen Job und in beiden Fälle kann ich sagen: Nur wegen der Freundschaften dahinter, aht das mit der Arbeit und dem Geld überhaupt geklappt.

    Das ist zwar nicht professionell und das ist auch riskant. Aber nur so macht es Spaß und wenn es funktioniert ist es der beste Weg, um an Geld zu kommen, weil man es allen Beteiligten gönnte und weil jeder mehr tut, als nur für Geld zu arbeiten.

  6. nur machmal hört bei Geld die Freundschaft auf und dann war es sie sowieso nicht wert. Manchmal erkennt man aber gerade dann, wenn man Geld braucht, seine wahren Freunde, weil es doch welche gibt, die Dir dann helfen, wenn sie können.
    Und der Mensch ist nicht schlecht, es gab schon immer Gute und Schlechte, so ist das Leben.

  7. Bemängeln wir nicht alle, dass Menschsein beim Geld aufhört? Wenn jeder , der darüber nachdenkt, bei sich anfängt, kann es eine Besserung geben. Wir werden die Welt niemals ändern, wir können nur uns selbst ändern.
    P.S.Entschuldigung wenn meine Grammtik nicht OK ist, bin erst 11Monate in Old Germany

  8. Weil es mir gerade erst mal wieder aufgefallen ist: ich bin immer ganz irritiert, wenn ich einer Freundin am Kaffeeautomaten 10Cent in die Hand drücke, die ihr gerade noch fehlen, und sie sofort beteuert, sie mir ganz bald wieder zu geben. Und sie dann noch am gleichen Tag wirklich tut, obwohl ich ihr sage, dass 10Cent nun wirklich nicht die Welt sind. Und wie überrascht ich bin, wenn sich noch jemand an 50 geborgte Cent von vor 4 Monaten erinnert…