Die letzten Tage und Wochen waren anstrengend. Während mein Geist sich immer drängender nach Weit-Weg, Urlaub und verreisen sehnte und ein gigantisches Fernweh entwickelte, schrumpfte im selben Maße mein Kontostand. Das Schrumpfen des Kontostandes lässt sich in verschiedene Phasen aufteilen.
0. Der Monat wird aber anders.
Jeden Monat nehme ich mir erneut vor, diesmal umsichtiger mit meinem Geld umzugehen. Diese nicht vollwertige und deswegen nur als halbe Sache angesehene Phase tritt willkürlich immer und immer wieder auf, wird aber gekonnt ignoriert, verdrängt, vergessen, verflucht und beweint.
1. Oh, wo ist mein Geld hin?
Phase 1 ist noch nicht weiter tragisch. Ich schaue auf mein Konto, finde etwa 20 Euro weniger, als ich erwartet hatte, wundere mich leise über meine Geldausgaben, die doch gar nicht so exzessiv waren, bringe meine Verwirrung mit einem Grummeln zum Ausdruck, das eher einem Kwietschen gleicht und schließe die Seite, um anschließend etwas zu kochen, was billig ist.
2. Verdammt, das kann doch nicht sein.
In Phase 2 wird das ganze schon tragischer. Meine Vorstellungen weichen nun etwa 50 Euro vom tatsächlichen Kontostand ab – das Glas ist inzwischen nur noch an guten Tagen als halbvoll zu bezeichnen und kleine Ausgaben für Erfreulichkeiten wie Nagellack oder die tolle Wurst von der Metzgertheke fallen weg.
3. Scheiße, das kann nicht wahr sein!
Wir nähern uns in Phase 3 bereits dem Punkt 0 Euro. In heutigen Zeiten bedeutet das natürlich nicht, dass das alles war – schließlich hat ja jeder sein mehr oder weniger großes Dispot eingerichtet – aber alles weitere, was von nun an ausgegeben wird, fehlt uns dann natürlich im Folgemonat. Meine Kontostandvorstellungen weichen hier etwa 80 Euro vom tatsächlichen Stand ab und gleichzeitig wird die Seite öfter aufgesucht – kommt von irgendwoher Geld?
4. O_O Meeeeeh!
Phase 4 ist dann spätestens nicht mehr lustig. Das Minus ist erreicht, befindet sich jedoch noch im -10 bis -20 Euro Bereich. Mit etwas Glück befinde ich mich erst in Phase 4, wenn bereits alle Rechnungen gezahlt sind, was wichtig ist, weil ich mich weigere, solche Dinge zu stunden – bloß nicht noch mehr Schulden anhäufen – und weil Rechnungen nicht zahlen können einfach übelst peinlich ist. By the way wird mich diese Einstellung mal weit bringen, weil ich meine Rechnungen immer bezahlt haben werde und keine Menschen an meiner Tür klopfen können, die mir mein Hab und Gut klauen.
5. Bitte, Ende des Monats, wo bleibst du denn?
Die letzte Phase erreiche ich relativ selten. Meine Vorstellungen des Kontostandes weichen noch immer von der Realität ab – jetzt aber andersrum. Statt zu viel Geld auf dem Konto zu vermuten, vermute ich dort zu wenig, was gut ist, weil ich dadurch natürlich weniger ausgebe. Der Blick auf die Online-Banking Seite wird seltener – das Elend will ich mir nicht antun. Ich bezahle im Supermarkt bereits die halbe Rechnung mit Pfandflaschen und freue mich jedes Mal darüber, dass ich sonst immer zu faul dazu bin, meine Flaschen wegzubringen. Andere haben einen Notfallgroschen unter dem Kissen liegen – ich sammel meine Pfandflaschen.
Aber wie dem auch sei – trotz des nicht zufriedenstellenden Kontostande habe ich Fernweh und das schon seit einer viel zu langen Zeit. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal Urlaub gemacht habe, überlege an Blindbooking Angeboten, die ich mir leisten könnte – wäre da nicht auch noch das Hostel, was man bezahlen muss – und schwelge in Träumen von fernen Ländern und Städten, die eigentlich gar nicht so fern sein müssen, solange sie nur anders, weg von Siegen und fremd sind.

Wollen wir beide Blindbooking machen? :D Hatte das auch mal vor und die Idee wieder verworfen! Mit dir könnte das durchaus lustig werden ^_^
Hachja – das “Pfandflaschen-Sparbuch” ist mir auch noch wohlbekannt – und die letzte Woche des Monats, in der die letzten Groschen für Katzenfutter draufgingen, während ich selbst echt Hunger schob… Früher oder später gibt sich das. Halte durch!
dabei ist siegen soooo schön ;)
Blindbooking bei Germanwings ist toll und billig :) Außer Hostels gibts noch Privatunterkünfte, die auch sehr günstig sind… irgendwie wird sich da doch was finden lassen was bezahlbar ist. Ne Freundin war z.B. letztens in London in nem Hostel wo die Nacht 12,75€ kostet… wobei London aufgrund des Shoppingangebots vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert ist :)
@Anna: Woah, ja! Oh mein Gott, mit dir wär das unglaublich genial! :D Und du könntest uns Geld verdienen, indem du Gitarre spielst und ich dazu NICHT singe (glaub mir, das bringt mehr ein, wenn ich den Mund halte)
@localwurst: Das Pfandflaschen-Sparbuch ist genial :D Mich störts nicht, wenn in der Küche ein Kasten mit leeren Flaschen steht und das ist ne schöne Sicherheit.
@tobi: Manchmal. Im Sommer. Wenns nicht regnet und der Schnee grade weg ist. :D
@Konzertheld: Ja, über Couchsurfing hatte ich z. B. auch mal nachgedacht :D
London ist ein Traum *-* Da will ich mal hinziehen.
besuch’ doch einfach Deine Mutter, dann kommst Du mal raus :D