Eigentlich gucke ich nie fern, aber wie das Wort „eigentlich“ schon andeutet, gucke ich in Wahrheit doch fern – allerdings so selten, dass ich mit einem „eigentlich“ beginnen kann.1 Wenn man so durch die Sender zappt – gerade mittags – läuft überall derselbe Trashscheiß. Das ist oke, ich steh auf Trash-TV.
Ich werde hier jetzt keine großen Reden darüber schwingen, wie peinlich das Fernsehen geworden ist und so tun, als fänd ichs scheiße – find ich nämlich nicht. Ich liebe die Asi-Bratzen, die fett, arm und vermutlich stinkend über die Bildschirme schleichen, ständig Stress mit ihrem Freund haben und ihr Baby tragen, als wäre es eine Handtasche, die sie mit 15 aus einem H&M geklaut haben. Ich steh auch total auf die schwitzenden, fetten Teenies, die irgendwo durch Afrika rennen und melodramatisch zu Boden sinken, sobald es ihnen zu heiß wird und ich glaub, ich find so Sendungen besonders aus einem Grund toll: Ich muss dabei nicht denken. Ich muss mir keine Meinung bilden, weil beispielsweise Pro7 mir ohnehin vorkaut, was ich darüber zu denken hab – spätestens am Ende der Folge wird der moralische Zeigefinger geschwungen, alles wird nochmal total dramatisch und danach .. gibt es ein Happy End, das dann – maximal – bis zur nächsten Folge hält.
Da gibt es aber etwas, was ich ganz fürchterlich finde. Kennt ihr die Untertitel? Die sind eigentlich auf jedem Sender von der gleichen Stumpfheit: „Hat schon drei Ausbildungen abgebrochen.“, „Lebt auf Kosten ihrer besten Freundin.“, „Denkt nicht gerne an die Zukunft.“ … Damit kann ich leben, obwohl meistens die Sätze im Untertitel paraphrasiert werden, die zuvor von der jeweiligen Person gesagt wurden. Außerdem sind da natürlich noch die oftmals genutzten Berufsnennungen: „Heizungsinstallateur“, „Dachdecker“, „Bäcker“ für die bodenständigen Männer. „Verheiratet“, „Mutter“, „Hausfrau“ für die Frauen..
Wieso ist es das, was von Frauen übrig bleibt? Vielleicht ist das die Winzigkeit an Emanzipation, die sich in meine Sozialisation gebohrt hat. Meine Rebellion gegen die Degradierung von Frauen. Eigentlich fänd ichs gar nicht schlimm, Hausfrau und Mutter zu sein. Aber die Vorstellung, dass andere in mir nur das sehen könnten, stimmt mich traurig. Sollte mich also jemals irgendwer so untertiteln, verklag ich den jeweiligen Sender, werde reich und dann steht da wenigstens: „Reiche Hausfrau und Mutter.“

Nun, der Sender versucht mit diesen Untertiteln, dem Ganzen sowas wie einen “redaktionellen Stil” zu verpassen, und irgendwas *muß* man schließlich reinschreiben. Und mich beschleicht hin und wieder der Verdacht, daß bei vielen dieser Weiblichkeiten nicht viel mehr zu sagen ist als “verheiratet”. Oder “Hausfrau”. Man könnte es vielleicht noch durch “gelangweilt” ergänzen. Oder “bedingt glücklich”. Denn – wie ist man drauf, wenn man sich für sowas freiwillig hergibt?
Ich finde Untertitel an sich eigentlich sogar recht praktisch, aber “Hausfrau” erzählt dem Zuschauer nicht wirklich was, während “unglücklich” oder “gelangweilt” wesentlich mehr aussagen würde. Oder wie wärs mit “unzufrieden und überfordert” :D
Eine Frau hat immerhin den Vorteil, dass bei ihr immer Hausfrau stehen kann. Bei einem Mann würde da evt. arbeitslos stehen. Auch nicht besser.
Hehe, das sind aktuell aber *meine* Schlagworte, und ich bin nicht in erster Linie Hausfrau! :D Und “Hausfrau” läßt in den Köpfen der meisten Menschen durchaus sofort ein Bild entstehen, meinst Du nicht?
Letztens stand da:
Annika
Sie trägt gerne Pantoffeln
Jetzt ohne Scheiss….
@localwurst: Ja, es lässt in den Köpfen der meisten das mehr oder weniger gleiche Bild entstehen – putzt, kocht, versorgt die eventuell vorhandenen Kinder, hat Sex, geht einkaufen, trinkt Kaffee, benutzt Tupperdosen. Außer natürlich, es geht um die Asi-Hausfrauen. Da wäre es mehr: Hängt rum, vernachlässigt Kinder, geht ab und zu einkaufen, macht Ravioli und Currywurst .. Oar, ne, ich könnt echt nicht damit leben, wenn man eins dieser beiden Bilder in mir sehen würde und sonst nichts :D Dann lieber “gelangweilt”.
@Christian: Mh, bei nem Mann fänd ich aber z. B. “Hausmann” jetzt auch nicht so vorteilhaft xD
@Basti: Das ist so hart, ge? :D Ich glaub, ich sollt mal wieder ne Woche taff gucken und die Untertitel abschreiben xD
hihi ^_^
Bei RTL steht bei den Männern manchmal auch sowas wie “Assi-Arsch”… wo ich mich dann frage… war ein Assi nicht immer ein Assistent?
Ich war 20 Jahre lang “nur Hausfrau”, hab all das gemacht, was Hausfrauen und Mütter so machen und ich war rundum zufrieden. Was Hausfrauen leisten, kann man gar nicht beschreiben. Ich war halt immer nur finanziell abhängig und hatte nie eigenes Geld. Heute bin ich “Unternehmerin”. Hört sich toll an, ich hab immer noch kein eigenes Geld und bin nicht mehr von meinem Mann , sondern von der Bank abhängig. Fragt sich, was besser ist…
@Konzertheld: Woah .. Ich dachte grad, ich hätte “Assi” geschrieben .. xD Dabei hasse ich das auch.
@Mama: Ich wollte nicht ausdrücken, dass Hausfrauen nichts leisten, aber damit untertitelt zu werden .. Dann könnte da auch “Weibchen” stehen.
jaja. Trash-TV. Schade, dass ich zu der Zeit immer arbeite und wenn ich mittagspause habe, kann ich zwar fernsehen, aber nur die öffentlich-rechtlichen. Küchenschlacht und so.