Heute wäre ich gerne einer dieser von sich selbst überzeugten Studenten, die irgendwann vormittags aufwachen, sich kurz strecken, gut gelaunt unter die Dusche hüpfen, um anschließend eine Klausur zu schreiben – natürlich völlig gelassen auf den Sitzen hängend und fast schon gelangweilt die Fragen beantwortend. Stattdessen bin ich – wie eigentlich immer – ein Nervenbündel.
Ich habe schlecht geschlafen, bin ab ca. 4 Uhr nachts etwa stündlich aufgewacht – was ich weiß, weil ich jedes Mal kurz auf mein iPhone guckte, was mich so blendete, dass ich verwirrt blinzelnd natürlich nicht direkt wieder einschlief – und irgendwann um 9 gab ich es dann auf. Jetzt ist halb 11, um 15 Uhr rum kommt mein Bus und ich sitze leicht zittrig auf dem Sofa, blättere fahrig meine Unterlagen durch und frage mich, ob ich genug gelernt habe. Irgendwann im Laufe der letzten Semester büßte ich meine Fähigkeit ein, mich selbst einschätzen zu können. Ich glaube, das fing alles mit der Hausarbeit über Disney und Avery an, die einfach grandios war und trotzdem nur mit einer 2 benotet wurde. Ich hab natürlich versucht, mir einzureden, dass die Dozentin mich einfach nur nicht leiden konnte – was wirklich der Fall ist – und mir deswegen eine schlechte Note gab, aber .. sowas funktioniert auf Dauer einfach nicht. Was nun Klausuren angeht .. Ich bin klein Klausurenmensch. In der Schule musste ich nie für irgendwas lernen. Ja, entschuldigt, das wirkt jetzt arrogant, aber es ist einfach die Wahrheit. Ich musste weder Vokabeln für Englisch lernen, noch Geschichtsdaten, politische Zusammenhänge, Religionstheorien und schon gar nicht Deutsch. Die Klausuren standen an, meist kam ich ne halbe Stunde zu spät – was nicht wichtig war, weil ich ohnehin immer früher fertig wurde – dann plapperte ich bei jeder Frage dumm rum und kriegte am Ende meine 1 oder 2.1
Was nun Uni angeht .. Da kommt man ohne zu lernen nicht wirklich weiter. Was ich früher abtun konnte mit „das muss ich nicht lernen, das ist doch Allgemeinbildung“, ist heute zu spezialisiert, als dass ich es noch irgendwie zufällig irgendwo hätte aufschnappen können. Und obwohl besonders Weber und Marx mich durch so ziemlich jedes Seminar begleitet haben, werd ich mit den beiden wohl nie warm werden. Ich kann mir nicht merken, was für supertolleinteressantescheiß Theorien die haben, weil es mich einfach nicht interessiert.
Ich musste also nach meinem Unistart schnellstens lernen, wie man lernt und .. Ich glaube nicht, dass mir das gelungen ist. Ja, ich saß die letzten Tage/Wochen beinahe durchgehend vor meinen Unterlagen, aber wenn ich nachher in der Klausur sitzen werde, wird das völlig unnütz gewesen sein. Da werden Fragen stehen, die sich mit Themen befassen, die ich nur stur auswendig lernte und mit Mühe und Not werd ich da etwas hinkritzeln, das, wenn ich Glück habe, irgendwie als Antwort zu werten ist, aber .. Das wars auch schon. Wenn der Dozent gute Laune hat, wird er mich bestehen lassen. Wenn nicht .. hab ich noch einen zweiten Versuch, der genauso ablaufen wird, also bleibt mir nur zu hoffen, dass ich einen von beiden Versuchen mit einer 4 bestehe.
Aber wenn mich am Ende jemand fragt, ob ich gelernt habe – und ich meine hier nicht „für eine Klausur gelernt“, sondern „fürs Leben/für die Zukunft gelernt“ – dann ist die Antwort: Nein. Alles, was ich lernte, waren stumpfe Phrasen, die auf Powerpoints standen oder in Texten und die verschwinden, sobald ich sie runtergeschrieben habe. Danke, Uni. Ich weiß jetzt immer mehr, dass du völlig nutzlos bist und mir am Ende ein Zeugnis über Wissen ausstellst, dass ich nicht habe, weil ich nicht genug Zeit hatte, es zu verstehen und zu verinnerlichen. Aber nett, dass mich dieses Zeugnis für Berufe qualifiziert, in denen ich dann vermutlich untergehen werde. Nur über Disney und Avery weiß ich noch immer viel. Da bekam ich ja aber nur eine 2.
Das unterschreibe ich sofort. Viel Glück für die Klausur und mach’ dich nicht allzu sehr verrückt – auch wenn’s schwer ist.
In der Schule ging es mir genauso wie dir. Die Noten sind mir in den meisten Fällen zugeflogen. “Gelernt” hab ich nie viel. Eher mal im Unterricht aufgepasst. Das hat bei mir eigentlich sehr gut geklappt.
In meinem derzeitgen Studiengang, lernen wir in den Vorlesungen rein gar nichts und auch die Übungen sind völlig für die Katz. Trotzdem wird lief es bisher eigentlich sehr gut, da mir die Praxis, auch wenn ich sie überhaupt nicht mag, irgendwie liegt.
Letzlich hab ich mich entschieden nun doch etwas Theoretischeres zu studieren, da mir das Studium gar nicht gefällt. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, es wird dann bei mir nicht anders als bei dir.
I love Avery! Auch wenn das nicht direkt mit dem Thema “Klausuren” zu tun hat…. :-)
Und übrigends, Dozenten sind berüchtigt dafür ihren tumben Lieblingen gute und im Gegenzug den kritischen&genialen Geistern schlechte Noten zu geben. Mir scheint auf alle Fälle dass Du aus der Lektion “Studium” sehr viel für Dein weiteres Leben gelernt hast. Viel mehr als nur banales “Fachwissen” dass Du sobald es Dich interessieren würde Dir ratzfatz aneignest!
Ich unterschreibe aber mal SO sehr.
Wenn es doch nur eine Klausur wäre. Nein, 4 warten die Woche noch auf mich und ich fühle mich einfach absolut unvorbereitet. Wie hab ich das bloß damals gemacht in der Schule?
Das hängt aber auch vom Studienfach ab. Ich studiere eine Ingenieurwissenschaft und habe viel im Studium gelernt*. Ich weiß etwas mehr “wie die Welt funktioniert”, und habe (als Schlüsselqualifikation) gelernt, wie ich mir Wissen aneigne, komplizierte Zusammenhänge analysiere oder Problemstellungen angehe. Natürlich brauche ich später höchstens 5% vom gelernten Inhalt – ich sehe es jedoch mittlerweise als “Training” zum Erwerb der Schlüsselqualifikationen an.
* das hört sich banaler an, als es ist (und gemeint war)
@Fenja: Ich glaube, es lief ganz .. oke. Also ich glaube, es reicht zum Bestehen. Hoffentlich.
@DreamCatcher: Ich war immer zu feige dafür, den Studiengang zu wechseln und nach 4 Semestern hatte ich mich dann eh so sehr gewöhnt, dass ich mir dachte, jetzt könnte ich es halt auch durchziehen. Aber Respekt, dass dus dich traust .. Ich dachte dann jedes Mal, dass ich damit so viel Zeit verlieren würde und kein BaFög mehr kriege usw .. :D
@Elfenmetaller: Ich glaube, ich würde das als Dozent auch so machen. Ich weiß noch, als ich mein Praktikum im Kindergarten machte und .. sorry, aber ich müsste lügen, würd ich behaupten, ich hätte keine Lieblingskinder gehabt. Und natürlich durften meine Lieblingskinder IMMER auf meinen Schoß und IMMER kuscheln und wenn die spielen wollten, wurde natürlich gespielt, während andere dann auch mal zurück stecken mussten :D
Avery ist super, ja. Ich muss mal gucken, was meine Hauptliteraturquelle war, dann sag ichs dir. Das war so ein gutes Buch :D
@Franziska: Ja .. Ich versteh das auch nicht. So viele Klausuren in einer Woche, jeder Dozent glaubt, er sei der einzige und haut Unterlagen mit locker 200-300 Seiten raus .. Das ist doch gar nicht zu schaffen. Schule war wirklich besser :D
@Joachim: Du hast Recht, das hab ich nicht bedacht. Natürlich hängt es vom Studienfach ab, definitiv. Ich glaube, ich sprach hauptsächlich für Geisteswissenschaften, weil ich was anderes nie studierte. Ich saß ein paar mal in Psychologieseminaren und .. obwohl das ja auch zu den Geisteswissenschaften zählt, muss ich sagen, dass davon unglaublich viel hängen blieb. Ich weiß aber nicht, ob das nun am super guten Dozenten, meinem riesigen Interesse oder den Themen lag.
Ich habe mich glaube ich nur deswegen gegen das eine Studium entschieden, weil ich dafür insgesamt 6 Jahre studiert hätte (4 Jahre Bachelor, 2 Jahre Master) und ich mit meinem neuen Studiengang eigentlich keine Zeit verliere. Und natürlich dachte ich mir auch, dass ich besser jetzt wechsle (nach einem Semester) als zu warten bis der erste G8-Jahrgang und der letzte G9-Jahrgang in Bayern ihr Abi endlich in der Tasche haben und dann die Unis stürmen und ich Schwierigkeiten in Studiengängen mit dem örtlichen NC bekomme. Ach und Bafög krieg ich nicht, aber das ist eine andere Geschichte :)
Dir wünsche ich bei deinem Studium noch viel Erfolg! ^^
Oh wie wahr. Ich komm mir ein bisschen doof vor, weil ich erst im 3. Semester bin, aber ich habe jetzt schon irgendwie keinen Bock mehr… ich studiere Elektrotechnik, was mich eigentlich total interessiert, aber… ich werde bestimmt mal einen Job haben, den ich total toll finde. Aber für diesen Wisch, mit dem ich mich darauf bewerben werde, lerne ich irgendwie so gar nicht das was ich mag. Dabei bin ich mit Uni und Professoren gar nicht unzufrieden, die machen das gut… aber… diese ganzen dummen Theorien nerven. Sowas gibt’s in ET nämlich auch, Dinge, die sich Naturwissenschaftler mal überlegt haben und die unsere Welt ganz gut erklären, die aber irgendwie trotzdem nicht greifbar sind. Mit denen man rechnen kann, ohne etwas zu berechnen, was etwas aussagt… Gott sei Dank, dass wir handschriftliche Formelsammlungen benutzen dürfen, da stumpft man wenigstens nicht so ab.
@DreamCatcher: Ich glaube, dieses Gefühl des Zeitverlierens ist in unserer Generation – ich schätz dich einfach mal als ungefähr gleichaltrig ein – viel zu verbreitet und eigentlich völliger Unsinn :D Vergessen kann ichs aber trotzdem nicht. Ich wünsch dir aber ebenfalls viel Erfolg ; )
@Konzertheld: Vielleicht ist es auch das, was uns diese ganzen Theorien beibringen wollen – zu selektieren, welche wichtig sind und welche nicht. Mh, noch nie drüber nachgedacht, aber vielleicht sollen wir tatsächlich einfach nur Meinungen bekommen und selbst entscheiden. Wobei ich mich dann definitiv gegen Marx und Weber entscheiden muss, weil ich die zwei einfach nur hasse xD
Ja, vielleicht ist das so… bei den Ingenieuren picken sich die einen dann eben ein paar Theorien raus, die greifbar sind und für irgendwas gut, und der Rest geht in die Forschung und stellt neue Theorien auf (und baut Teilchenbeschleuniger, um Teilchen zu finden, die sich verändern, wenn man sie anguckt).
Übrigens schön hier mal ein paar Gleichgesinnte bzgl. des Zeitverlierens zu finden. Ich wurde z.B. ausgemustert und jetzt erzählt man mir, falls ich Übersemester machen muss, verliere ich ja soo viel Zeit. Hallo? Ich muss erstmal zwei Semester verschwenden, damit mein Vorsprung weg ist… und mehr darf ich eh nicht.