Kennt ihr das, wenn ihr „euer Leben lang“1 an etwas glaubt. Wenn ihr tief in eurem Inneren so sehr davon überzeugt seid, dass es völlig gleichgültig ist, was euch andere dazu sagen, weil selbst die logischste Logik einfach nicht gegen das Gefühl ankommt, was ihr tief in euch habt? Und dann, ganz plötzlich oder heimlich still und leise, beginnt sich auf einmal etwas zu verändern. Es muss nicht mal unbedingt einen Auslöser dafür geben. Keinen Punkt, von dem ihr später sagt „Das war der Moment, in dem sich mein Glaube dazu änderte.“. Manchmal passiert sowas einfach und schon ist der neue Gedanke da – ebenso stark und präsent wie der vorherige, nur eben noch richtiger, noch dringlicher, noch echter.
Ewig lange war ich der Überzeugung, dass mir die Zeit davon läuft. Dass ich mich beeilen müsste, um mit der Geschwindigkeit der Gesellschaft mithalten zu können, meine Berufschancen zu steigern, indem ich so rasch wie möglich durch mein Studium, meine Abschlüsse und meine Erfahrungen rausche .. Aber heute las ich dieses Campus-Magazin der ZEIT und während ich die Zeilen überflog, die mir erklären wollten, dass ich mir lieber während des Studiums Zeit nehmen soll, mein Profil herauszubilden, wurde mir klar, dass ich irgendwann in den letzten Wochen oder Monaten ohnehin schon an diesem Punkt angelangt war. Auf einmal hab ich es nicht mehr eilig. Plötzlich hab ich keine Angst mehr davor, dass ich nicht schnell genug bin und mir selbst hinterher rennen muss, um mich anzutreiben. Stattdessen sitz ich hier – meistens relativ gelassen – schreibe an meiner Bachelorarbeit, denke darüber nach, für welchen Masterstudiengang ich mich entscheide und überlege nicht, ob ich danach promoviere, sondern vielmehr in welchem Fachbereich ich es tue, was ich für ein Thema wählen könnte und ob ich nicht vielleicht ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Volontariat oder ein 1-jähriges Praktikum einschieben will, ehe ich überhaupt etwas davon tue. Und ich bin nicht pseudoentspannt. Es ist keine verdrängte Ängstlichkeit, die sich gegen meine Zukunft richtet und mir einredet, dass ich lieber mal einen Gang zurückschalten sollte, um nicht in den kalten Alltag eintauchen zu müssen.
Nein, es ist einfach nur eine unbändige Lust darauf, zu tun, was mich interessiert. Und jetzt gerade in meinem Leben interessiert es mich, einen literaturwissenschaftlichen Masterstudiengang zu wählen. Weil ich es kann. Weil es tatsächlich absolut gar kein Problem ist. Und weil ich ohnehin – jetzt mit 23 Jahren – noch immer wie 15/16 aussehe, also kann ich ja notfalls einfach mein Alter fälschen, wenn es daran geht, sich für irgendwelche Jobs zu bewerben. Tja und wenn das alles nicht klappt? Dann hab ich wenigstens einen Bachelor-, Master- und Doktortitel, die ich – im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten – auch nicht wieder zurückgeben muss.
(Bild Via)
Na, wer hat bei der Überschrift was schlimmes vermutet, hä?
Ich :)
Ich nicht – ich vermutete eine plötzliche Blitzfertigstellung der Bachelorarbeit ^^
Ich auch nicht. :) Und ich find’s toll, dass du die Nerven hast, dir mitten im Studium Gedanken zu machen, ob du nicht vielleicht grad Bock auf ein Praktikum hast. Von daher wünsche ich dir, dass du so entspannt weiter machen kannst, womit auch immer. :)
Ich bewundere dich dafür, ehrlich.
Ich glaube, ich könnte nicht so entspannt sein, wenn’s ums Studieren geht. Aber vielleicht stelle ich mir das momentan auch alles nur einfach so extrem krass vor. (Vielleicht, weil ich gerade mal vor’m Abi stehe. Weil ich einfach noch keine Ahnung habe, wie es an Unis läuft. Und weil mich das dazu zwingt, zu entscheiden, wohin es gehen soll und Dinge zu hinterfragen, die man sich eigentlich schon genau so vorgestellt hatte.)
Und egal, wofür du dich entscheidest – behalte einfach die Haltung bei. Ich glaube, es bringt dich weiter als der ganze Stress, den sich so manch anderer macht.