Es ist so leise heute. Halb drei in der Nacht und mal wieder wird mir bewusst, dass ich mich in einer Kleinstadt befinde. Keine Motorengeräusche, kein müdes durch die Straßen tapsen, kein leises Kichern aus der Dunkelheit. Nur Stille. Stille und Kälte.
Ich bin ein bißchen traurig, im Moment. Eigentlich ist das eine Lüge. Zumindest der Zusatz „im Moment“. Ich bin nicht nur im Moment ein bißchen traurig, ich bin seit Wochen, wenn nicht Monaten ein bißchen traurig. Und schon kommen mir die Sätze wieder in den Sinn, die mir in letzter Zeit so oft gesagt wurden und mich immer ein wenig stutzen lassen. „Du schaffst das schon.“ – Woher will das jemand wissen? „Es ist bewundernswert, dass du noch nicht zusammengebrochen bist.“ – Arschloch, das ist kein Kompliment, merkst dus noch? „Ich mach mir Sorgen um dich.“ – Da ist er. Der Satz, dem ich absolut nichts entgegen zu setzen habe. „Ich mach mir Sorgen um dich.“ .. Das ist wie .. als würde sich die Wahrheit auf einmal schmerzhaft in dein Herz bohren, um dort wie eine Kreissäge zu tanzen und still und heimlich wieder zu verschwinden. Große Leere und ein wenig Schmerz zurücklassend, den man kaum mit bekommt, weil man noch immer viel zu perplex ist. „Ich mach mir Sorgen um dich.“ – Gott, ja. Ich bin jetzt einer dieser Menschen, um die man sich sorgt. Ich bin besorgniserregend. Sorgenmachend. Sorgen machend.