Luftschlösser

Luftschlösser

Ich bin Architekt. Angefangen habe ich bereits im zarten Alter von vier Jahren, als meine Mama mich mit ängstlichem Blick in der großen, kindervollem Fremde zurückließ, aus der ich ihr mit zitternden Lippen und überlaufenden Augen nachlief. Bis zur Tür, die sich hinter ihr schloss. Genauso schloss, wie die fremde Hand, die sich um meine legte, beruhigend auf mich wirken sollte wie die Stimme, die auf mich einredete. Neugierige Augen blickten mir groß entgegen; schniefend und schmollend verzog ich mich auf einen hölzernen Stuhl und blieb starr sitzen – fest davon überzeugt, dass ich nur lange genug warten musste, bis meine Mama wiederkommen würde. Die fremde Hand hatte meine verlassen und sie mit Leere gefüllt, die suchend in ihr zurück blieb, ehe ich mich in eine der Ecken begab. Warten konnte ich schließlich überall.

Die Leere meiner Hände füllte sich mit Bauklötzen, die ich erst gelangweilt, dann immer begeisterter aufeinander stapelte. Haus um Haus nahm vor meinen Augen Gestalt an. Imposante Rundbögen; dicke und tragende Marmorsäulen; spitz zulaufende und stuckbesetzte Dächer. Mit offenem Mund wanderte ich durch das von mir geschaffene Zuhause, bestaunte die Häuserschluchten ebenso sehr, wie die Gebäude an sich und schrie vor Schmerz auf, als es erneut eine fremde Hand war, die mir Leere brachte. Schmerz darüber, dass sich meine Stadt innerhalb weniger Sekundenbruchteile in eine Ruine aus Bauklötzen verwandelt hatte, die laut davon zeugte, niemals etwas anderes gewesen zu sein.

(Via)

Ich bin Architekt. Geschickt und voller Können baute ich mir meine Welt zusammen; Illusionen, für andere unsichtbar. Meine Sehnsucht ist es, die dich zu dem macht, der du in meiner Welt bist und solange du schweigst, solange du akzeptierst und dich nicht wehrst, kann ich es festhalten. Solange, bis deine Worte Leere bauen, wo zuvor mein Luftschloss stand; sich gegen die graue Himmelwand dahinter erhob; gewebt aus Hoffnungen und Träumen; zusammengehalten von Tränen, die leise in die Ruinen fließen, ehe ich genug Kraft gefunden habe, es neu aufzubauen. Neuer, größer und besser; trotzdem genauso leicht umzustoßen wie eine Stadt aus Bauklötzen.

Aber ich bin Architekt. Ein perfekter Illusionist.