Die Unwegsamkeiten des Halmaspiels

16. Juni 2011 • Kategorie: Kindheit • Kommentare: 3
Die Unwegsamkeiten des Halmaspiels

Als ich klein war, spielten wir Spiele. Die typischen Spiele, die wohl jede Familie mal auf den Tisch kriegt: Phase 10, Alhambra, Mensch ärger dich nicht …

Es gab kein Ritual. Keinen festen Abend, an dem die Spiele ausgepackt wurden, sich alle versammelten und es losging. Es gab nichts geplantes, nur den Zufall, der uns zusammenbrachte und ein Spiel herbei zauberte. Von meinem Dad lernte ich Canasta. Von meiner Mama Halma. Mein Dad spielte .. Ich weiß nicht, ob man die beiden in Fairness und Unfairness unterteilen kann. Ich weiß nur: Nachdem mein Dad mir Canasta beigebracht hatte, hatte er mich alle Tricks gelehrt, derer er mächtig war und gleichzeitig noch neue mit mir dazu gelernt. Das Wichtige war jedoch: Nachdem er es mir beigebracht hatte, war ich dazu in der Lage, ihn zu schlagen. Sicher nicht immer. Noch nicht einmal in den meisten Fällen, aber .. Es gelang mir ab und an. Natürlich regte er sich gebührend darüber auf, aber während sein Mund fluchte, war ein Lachen in seinen Augen, das mich glauben ließ, dass er stolz auf mich war – in Wahrheit hatte er mich natürlich nur gewinnen lassen.

Meine Mama war anders. Halma hatte ihr ihre Oma beigebracht, als sie noch ein kleines Mädchen war. Und auch sie brachte mir einige Tricks bei, aber die meisten behielt sie für sich, während sie mich mal machen ließ. Ihre Spieleröffnung war fast immer dieselbe – also guckte ich sie ihr ab, wir spielten synchron, wie zogen die jeweils gespiegelte Figur und ehe ich mich versah, hatte ich meiner Mama eine Straße gebaut. Eine Straße, die sie mitten in mein Feld führte, dass sie daraufhin innerhalb von Sekunden schamlos einnahm, mich anlächelte, wie nur eine Mutter es kann und „Beim nächstem Mal“ sagte, um mich zu ermuntern. Es war eine Art Verbissenheit dabei, sie zu schlagen. Wenigstens einmal. Und nie gelang es, bis ich irgendwann auszog, die Spielsammlung aus unserem Haushalt verschwand und mit ihr die Möglichkeit, meine Mama im Halma zu schlagen.

Was ich damit nun sagen will? Ich denke, ich wollte sagen, dass es immer jemanden gibt, der erziehen muss und jemanden, der lächelnd zugucken kann. Mein Dad hat mich nie erzogen. Er hat vorgelebt, geschaut, zufrieden gelächelt und sich zurückgelehnt, aber nie – wirklich nie – sagte er mir direkt oder indirekt, was zu tun ist. Dafür war meine Mama zuständig. Aber meine Mama weiß schließlich auch, wo es lang geht, während mein Dad und ich nur ziellos durch die Welt irrten und ohne sie vermutlich verloren gegangen wären.

Und seitdem mein Dad tot ist, habe ich das Gefühl, mich alleine zu verlaufen. Aber zum Glück findet meine Ma mich immer wieder.

(Bild: Via wnd.andreas)


  1. ♥ Gut, dass ich “Ja” gesagt hab.

  2. Jaja, die Mütter sind halt immer die, die meckern müssen, weil ja schliesslich einer dafür sorgen muss, dass alles zur Zufriedenheit läuft…Nicht immer der tolle Job. Aber ich versprech Dir was: Ich weiss ja nicht, wie lange ich noch lebe, aber solange ich hier bin, brauchst Du Dir wirklich keine Sorgen zu machen. Ich werde Dich wirklich immer finden. Und ich bin immer für Dich da. Hab Dich lieb!

  3. Schön =)
    Wenn ich es auf mein Leben übertrage kann ich dem nur zustimmen!