Breivik

Breivik

Gibt es euch nicht zu denken, wie schnell alles geworden ist? Jede Handlung wird auf ein Minimum reduziert – warum auch mehr tun, als nötig wäre – und zwischen den einzelnen Schritten bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Gestern noch schrieb ich mich zur Uni ein, heute schon bin ich fertig mit meinem Bachelor. Gestern noch waren wir Fremde, heute sind schon einige Jahre vergangen und kaum ein Tag vergeht ohne dich.

Gestern noch lebten ca. 100 Menschen mehr, heute schon sind sie tot. Das, was in Norwegen passiert ist, nimmt mich mit. Das Sterben von Menschen nimmt mich schon immer mit – noch mehr, seitdem mein Dad tot ist und ich weiß, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu verlieren. Und weil es mich so mit nimmt, schotte ich mich ab. Ich halte mich von Twitter fern, um nicht zu viel mitzubekommen. Ich gucke nur Nachrichten auf Sendern, von denen ich weiß, dass die News auf einige wenige Minuten beschränkt sind. Und trotzdem bekomme ich etwas mit. Vielleicht schon zu viel. Ich sah die Bilder von den Menschen, deren Gesichter voller Blut waren. Ich sah die Aufnahmen der toten Jugendlichen, die über die Insel verstreut waren. Und ich sah das Bild von Anders Behring Breivik. Ich sah es schon, bevor sicher war, dass er es gewesen ist. Bevor erste Meldungen auftauchten, dass er ein Geständnis abgelegt hat. Bevor irgendjemand sicher sein konnte. Was denken nur seine Eltern? Seine Freunde? Nachbarn? Kommilitonen? Wie verstörend muss es sich anfühlen, wenn man eines Tages den Fernseher einschaltet und einen Freund dort sieht, der gerade 100 Menschen getötet hat.

Und wieso sieht Breivik so „normal“ aus. Es wäre viel einfacher, sähe er aus wie ein Manson.

(Bild via ergates)


  1. Ich fühle da mit dir. Mich nimmt das auch ziemlich mit. Ich versuche das nur in mir zu verstecken und nach außen normal zu wirken. Weil: Wenn man das nicht tut, dann stellen Leute Fragen. Fragen, die tief gehen können. Schrecklich.

    Ich glaube übrigens nicht, dass es besser wäre, wenn er wie ein Manson aussehen würde. Frag mich aber nicht warum.

    Und jetzt gerade möchte ich auch gar nicht weiter drüber nachdenken…