Ich habe einen neuen Lieblingsplatz. Vielleicht verwandle ich mich in eine Katze, denn sobald die Sonne scheint, zieht es mich auf die Fensterbank. Das polaroidmedchengrüne Kissen wartet dort schon auf meinen Po und wenn ich dort sitze, ist die Welt auf einmal anders. Wenn ich dort sitze, findet kein Laptop neben mir Platz und auch das iPhone liegt bedeutungslos zu meinen Füßen, sodass die Welt ganz Welt sein kann – ohne das endlose Rauschen von Informationen und Spaß im Hintergrund. Kein verzerrender Bildausschnitt, keine zu decodierenden Worte.
Von der Fensterbank aus kann ich einen kleinen Platz überblicken, der einige Stufen hinauf zu einer Kirche führt, in der ich schon ein oder zweimal war, aber es ist eines dieser schweigenden Gebäude, deren Stille einen erdrücken will. Ich habe nie verstanden, wieso man in Kirchen schweigen sollte. Ich hielt mich nie daran, nur bei manchen Kirchen .. Da spürt man den Druck, der andere zum Schweigen bringt. Der andere zwingt, den Mund zu halten. Und wer hält sich gerne in sowas auf?
Sobald der Nachmittag anbricht, beginnt es in den Büschen vor der Kirche zu rascheln und im hinter den Häusern verschwindenden Sonnenlicht springen kleine Spatzen daraus hervor und jagen sich gegenseitig über die Steine. In solchen Momenten wird mir klar, dass Siegen nicht real sein kann. In solchen Momenten erkenne ich, dass es gut sein wird, endlich hier weg zu kommen.
(Bild via The Wren Design)