Als wir im Auto saßen und schwiegen.

12. August 2011 • Kategorie: Papa • Kommentare: 4
Als wir im Auto saßen und schwiegen.

Als ich das letzte Mal mit meinem Dad im Auto saß, standen wir vor der Wohnung meiner Mutter, weil er mich gerade zurück brachte. Wir saßen dort und er hatte das Radio schon ausgemacht und es war still bis auf ein paar Autos, die an uns vorbei rauschten. Er guckte vor sich auf das Lenkrad und sagte mir, dass er ziemliche Angst vor der Operation hat, die anstand. Eigentlich sprachen wir nie über sowas. Über Gefühle. Wir schnitten das Thema generalisierend an, so, als würden wir von anderen sprechen und nicht von uns. Aber als wir dort saßen, sprach er es ganz direkt an und ich weiß noch, dass ich wie vor den Kopf geschlagen war, weil ich nicht wusste, was ich antworten sollte. Weil ich nicht wusste, ob ich zugeben sollte, wie viel Angst ich hatte oder ob ich lieber so tun sollte, als hätte ich keine, damit er glaubte, ich sei stärker als ich es tatsächlich war. Aber eigentlich war es ganz egal, was ich antwortete, weil er ohnehin gewusst hätte, wenn ich lüge. Also sagte ich nichts und wir schwiegen solange, bis das Schweigen nicht mehr von Angst gefüllt war sondern ein Einverständnis ausdrückte. Was sollten wir schon tun? Er musste sich operieren lassen. Ich musste das so hinnehmen. Er musste es akzeptieren. Eigentlich gab es nichts zu sagen. Eigentlich.

Als ich ausstieg, war es trotzdem anders als sonst. Er behielt ein wenig Angst mit sich im Auto und ich nahm ein wenig davon mit nach Hause.

Ich vermisse dich immer noch …


  1. deine Texte berühren mich immer wieder.

  2. Da muss ich Verena zustimmen.

  3. Da muss ich auch zustimmen…

  4. deine texte berühren mich genauso wie viele von georg geschriebene zeilen. er hat eine tolle tochter.
    lg mary