Mit der Trauer kommt das Schweigen

24. August 2011 • Kategorie: Papa • Kommentare: 2
Mit der Trauer kommt das Schweigen

Man kann dem nicht entkommen. Manchmal kommt diese Trauer und bringt das Schweigen mit und du merkst es vorher gar nicht. Du merkst es gar nicht und dann ist es da und bleibt ein Weilchen. Wie ein Gast, der nicht so ganz erwünscht ist und es nicht rafft, wenn man Dinge sagt wie „Ach ich müsste noch …“ und „Ich hab so viel zu tun.“. Statt seine Sachen zu packen und zu gehen, bleibt er da, macht es sich bequem und starrt dich aus dem Sessel heraus an. Erwartungsvoll, weil man ihn als Gastgeber bespaßen muss. Weil er einen in diese Rolle drängt und man nicht unhöflich sein will – zumindest nicht mehr als nötig.

Also gibst du dem Gast, was er will. Du bietest der Trauer ein paar Tränen an, legst dich ein wenig in das Schweigen und hoffst, dass es damit getan ist, aber so, wie es verschiedene Arten von Gästen gibt, lässt auch die Trauer nicht immer locker, sondern will immer mehr. Dann sitzt der Schmerz in dir ohnehin schon ganz locker, zittert leise, aber als wäre das nicht genug, streckt die Trauer sich entspannt und richtet sich häuslich ein.

Gestern kam eine Doku über die Rolling Stones. Über die Hippie-Zeit. Schon früher war die Portion an Sehnsucht, die ich beim Anblick von Hippies empfand, nah an Schmerz und Trauer, aber heute ist es schlimmer. Heute ist es mein Dad, den ich in dieser Zeit sehe. Er ist es, der mir davon erzählte, der meine Sehnsucht schürte und lachte, wenn ich ihm sagte, wie unfair es ist, dass ich zu spät geboren wurde. Der meine „Vielleicht gibt es ja wieder mal sowas“-Versuche mit einem Winken seiner Hand abtat. Keine Hippies mehr. Keine Liebe und Harmonie. Heute ist die Welt anders, ja. Heute haben wir Menschen in England, die Geschäfte anzünden und so tun, als stünden sie für etwas ein. Heute ist es nicht mehr so, wie es mal war. Und heute fehlt außerdem mein Dad, obwohl so viel passiert, was ich ihm erzählen will. Stattdessen sitzt die Trauer in meinem Sessel und bringt das Schweigen.

(Bild via shazbot music)


  1. Mareike hatte mir mal gesagt das es eine einfache Art gibt einen Artikel zu kommentieren, wenn man nicht genau weiß was man schreiben soll…so als eine Art Anerkennung oder um einfach zu zeigen das man es gelesen hat und gerne reagieren würde nur einfach nicht weiß wie… ich glaube es war einfach der Punkt oder?!?

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  2. Der Vergleich mit dem unerwuenschten Gast gefaellt mir, auch wenn er mir zuerst nicht ganz passend erschien. Aber ich schaetze mal, jedes Gefuehl zwingt sich einem mitunter auf. Trauer und Sehnsucht – Die Big Two.