Ich will nach Hause

10. September 2011 • Kategorie: Alltag • Kommentare: 3
Ich will nach Hause

Wird es jetzt Winter? Als ich durch den Morgen laufe und meinen Atem in der Kälte vor mir schweben sehe, ehe ich dagegen laufe und er verschwindet, glaube ich daran. An manchen Tagen ist es egal, wie viel Mühe die erwachten Vögel in ihren Morgenruf stecken. An manchen Tagen hörst du trotzdem nur dieses Klirren, das von außen und innen zu kommen scheint.

Da ist ein Flüstern in mir, das mich zittern macht. Ich laufe schneller, damit kein Schrei daraus wird. Schneller und schneller. Die fehlende Kondition der Jugend lässt mich lauter atmen, sodass ich mich nicht mehr hören muss. Um mich herum sollte ein Tag beginnen, aber nicht um kurz nach sieben an einem Samstag. Stattdessen drängt mein Körper durch die Stille, meine Schritte klingen unnatürlich laut und ich bete, dass ich jetzt nicht husten muss. Es kommt einem falsch vor, in solche Szenarien hinein zu husten. Als würde man damit etwas beginnen, was noch nicht begonnen werden will. Als stünde man in einer Kirche und würde ein Bäuerchen unterdrücken, das trotzdem mit einem leisen Platzen an die Oberfläche gelangt, sodass du das Gefühl hast, dass alle dich anstarren. Tut natürlich niemand. Die, die es hörten, gucken demonstrativ und leicht pikiert in eine andere Richtung und die, die es nicht hörten .. Was sollen die schon tun?

Morgens sind die Gedanken frei. Dann, wenn die Arbeitsworddokumente noch nicht geöffnet sind, kein abwartender Cursor erst hoffnungsvoll dann höhnisch blinkt. Wenn noch kein Husten die Stille gestört hat und du allein bist mit dem, was deinen Kopf bevölkert.

Was, wenn die Möglichkeiten zu viele werden? Wenn dein Leben in alle Richtungen zugleich drängt, du anfangs noch versuchst, mit allem Schritt zu halten und schließlich nur noch starr stehst. Wenn du gar nicht mehr weiter willst, weil du gefangen im Hier bist und in dir ein leises Stimmchen danach schreit, nach Hause gebracht zu werden, obwohl dein Zuhause an dem Tag verschwand, den du lieber vergessen willst, weil noch vor dem Ausatmen viel mehr gelöscht war, als du für möglich gehalten hattest.

„Ich will nach Hause.“, denke ich immer lauter, ohne zu wissen, ob es ein Ort im Jetzt oder im Damals ist, aber mit dem sicheren Gefühl, ihn weder dort noch irgendwo zu finden. Das Gefühl verblasst, als ein Auto draußen vorbeifährt, den Tag einläutet, die Stille zerreißt, die Gedanken davon trägt und sich wie von selbst in nichts auflöst. Es verblasst und lässt diffuse Verwirrtheit zurück, ehe ich mich zur Seite rolle und noch ein wenig schlafe.

Bild via George Ferris


  1. Nimmst Du mich mit…?

  2. Oder ist es ein Ort im Vielleicht-Bald? Im Irgendwann?

  3. Ich hoffe es. Im Moment fühlt es sich an wie niemals mehr erreichbar.