Oh Gott, was ist aus dir geworden?
Kennt ihr das: Ihr unterhaltet euch – grundlos, zufällig, ungeplant und irgendwie gestelzt – plötzlich mit einem „alten Freund“, einem Gesicht der Vergangenheit und schon nach den ersten paar Sätzen fragt ihr euch, was zum Teufel aus ihm/ihr nur geworden ist? Da ist nichts mehr, was euch verbindet. Nichts mehr, was daran erinnert, dass ihr mal wart, was ihr wart. Und obwohl euch euer Gegenüber bekannt ist, ihr sein Gesicht, seine Mimik und Gestik kennt, ist es ein Fremder. Ein Fremder, mit dem ihr nichts mehr gemein habt. Dem ihr anmerkt, dass er sich auch nicht zurück erinnern will und der deutlich macht, dass Sätze wie „Weißt du noch …“ ins Leere führen werden, weil da nichts ist, was er noch wissen will.
Wo ist der Mensch, den ich mal kannte?
Es ist seltsam, wenn ich dich so reden höre und die Grundzüge des Menschen erkenne, der mal mein Freund war, aber auch nur die. Nicht mehr. Als hätte man all das von dir herunter gezogen, was einmal war und nur das Grundgerüst zurückgelassen, auf dem von Null an neu aufgebaut wurde. Alles scheint ein bißchen verdreht, ein bißchen abgewandelt. Ein bißchen falsch und nicht passend. Als hätte jemand deine Ränder verbogen, sodass sie nicht mehr in meine passen.
„…, um der alten Zeiten willen.“
Auf einmal steht da diese so lustige Idee im Raum, dass man sich ja „mal wieder treffen könnte“. Dieser lustig und unbedacht herausgestoßene Wunsch, den man halt so sagt, wenn man sich lange nicht sah und dann in einem der vielen sozialen Netzwerke virtuell über den Weg läuft. Man könnte sich ja mal wieder sehen, um der alten Zeiten willen. Wär doch ganz nett. Lustig und so.
Nein. Nein, ich amüsiere mich nicht, wenn ich mich mit dir treffe, mit einem Fremden, der sich nicht erinnern will. Mit einem Fremden, der verdrängt hat. Es amüsiert mich nicht, die Geschichten deiner Gegenwart zu hören, weil du ganz gezielt alles ausgelöscht hast, was Vergangenheit war. Alle Brücken, die uns verbanden und in deine Gegenwart geführt hätten, sind abgerissen. Ja, wenn du Hilfe brauchst, werde ich da sein. Um der alten Zeiten willen. Weil ich nicht vergessen habe, was wir mal waren. Aber bis dahin reicht es doch, wenn du dich am Rand meines Sichtfeldes bewegst und ich mich am Rand deines Sichtfeldes – wissend, dass wir da sind, aber .. mehr auch nicht.
(Bild via zamboni.andrea)
Schlimmer ist es, wenn man früheren Freunden (z.B. im Bus) begegnet und sich fragt, wie man früher nur mit diesen befreundet sein konnte, weil sie einen schon nach 2 Minuten nerven und man den unbedingten Drang verspürt, sofort auszusteigen…
Bn total neugierig: Wer war das???
Hach, Hannah. Weisst du noch damals…?
Ich dachte, du heißt Daniel :o
Irgenwie verändert man sich halt…und andere leider auch. Manchmal geht man denselben weg, oft aber auch getrennte Wege.
Ich find es nicht schlimm… es ist komisch, aber nicht schlimm!
Ja, das stimmt, aber ich möchte jetzt noch mal das positive Beispiel anführen. Es gibt auch manchmal Freunde, die man nach Jahren wiedertrifft und es ist so wie früher und man kann reden ohne bläde Eckdaten austauschen zu müssen, sondern es geht direkt einfach da weiter, wo man aufgehört hat. Das ist selten, aber passiert.