„Joyland“ – Stephen King

19.06.13

Stephen King hat mit Joyland wieder einen gewohnt guten Roman geschrieben, gleichzeitig aber auch verschiedene Diskussionen ausgelöst, die weniger mit dem Inhalt zu tun haben, als vielmehr damit, wie er sein Buch verlegen ließ. Schlug er mit seiner Romanserie The Plant noch den Weg der eBooks ein, scheint er den mit Joyland wieder verlassen zu wollen, zumindest was den amerikanischen Markt angeht: Er erinnert sich gerne an seine Zeit zurück, als er für ein paar Cent Taschenbücher gekauft hat, die er dann zusammengeklappt in seinen Hosentaschen mit sich rum trug, bis sie zerlesen waren. Sein Fazit daraus: „Joyland will be coming out in paperback, and folks who want to read it will have to buy the actual book.

Während seine letzten Veröffentlichungen im dystopischen Bereich angesiedelt waren, scheint ihn in Joyland nicht nur hinsichtlich der Veröffentlichungsform die Nostalgie gepackt zu haben: Statt Zeitreisen (Der Anschlag) oder futuristischer Magnetfeld-Endzeitszenarien (Die Arena, Puls) greift King in der Geschichte auf „alte“ Gruselformen und Schreibtechniken zurück, die man so bei ihm lange nicht versammelt sah: Ein Mord, ein Geheimnis, ein Geist in ausgerechnet einer Geisterbahn und die Ich-Form als Erzählperspektive.

Stephen Kings Protagonist trägt den Namen Devin Jones, ist 21 Jahre alt und arbeitet einen Sommer lang im Joyland, einem Vergnügungspark, dessen Maskottchen ein Hund ist, den Devin nur allzu oft spielen darf. Devins Gedanken sind in diesem Sommer von drei Dingen bestimmt: Seiner Freundin Wendy, die ihn verlassen hat, dem Mord in der Geisterbahn und der grünen Villa am Strand, in der eine Mutter mit ihrem Sohn lebt, der Geister sehen kann. Klingt jetzt erst mal nicht spannend, aber wer King kennt, weiß, dass der Plot meistens relativ simpel ist.

Joyland ist kein Psycho-Horror wie z. B. Wahn oder Das Spiel. Es ist auch kein Weltuntergangsszenario wie The Stand oder Puls. Vielmehr lässt es sich mit den älteren Geschichten von King vergleichen, die die Charakterstudie einer Figur darstellen und einen mitten hinein ziehen in die Welt des Protagonisten. Obwohl das Buch, wie eigentlich immer, ein hohes literarisches Niveau hat, kommt der Gruselfaktor zu kurz und beinah wirkt es, als wäre er nur nachlässig eingefügt, um die Geschichte von Devin Jones zu erzählen, der nicht wirklich in das Genre von Stephen King passt. Hätte er sich auf dessen Geschichte beschränkt, wäre es ein gutes Buch geworden, so wirkt es eher unfertig und zusammen geschustert, sodass ich mich frage, ob er vielleicht ein wenig zu sehr mit dem Recherche-Meisterwerk Der Anschlag beschäftigt war, um nebenbei noch Zeit für Joyland zu finden.

Preis vs Leistung:

30%

19,99€ sind für ein gebundenes Buch zwar inzwischen der Normalpreis, lohnen sich in dem Fall aber nicht. Vielleicht lieber auf das Taschenbuch warten.

Schreibstil:

96%

Es ist Stephen King. Muss man da wirklich was zum Schreibstil sagen?

Story/Idee

51%

Die Idee ist super, die Umsetzung wirkt ein wenig lieblos und wie nebenbei gemacht.


Kategorie: Rezension

Vielleicht, wenn alles anders wäre ..

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  1. ben_

    Das ist aber ein Zufall, dass sich „Joyland“ auf „Neuland“ reimt, oder?

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