Growing up.

01.09.10
By Sara |

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Wenn man der Jugendlichkeit entsprungen ist, erwachsen wird, seine Rechnungen selbst bezahlt, sich mit Themen wie Haftpflicht- und Hausratsversicherung beschäftigt, dann weiß man eigentlich ziemlich genau, dass die Unbeschwertheit junger Jahre nun leider vorbei ist.

Man kann sicher viel Positives darin sehen, auf eigenen Beinen zu stehen, die Welt vielleicht etwas besser zu verstehen und endlich zu wissen oder zu glauben, dass man weiß, worauf es wirklich ankommt. Man kann sich kaufen, was man möchte – sofern das Geld reicht – und muss niemandem mehr Rechenschaft darüber ablegen, wieso und was und warum und wieso nicht anders.
Wunderbar. Theoretisch. Jedoch nicht für mich. Seit bereits 3 oder 4 Jahren schmerzt es mich so heftig: Ich werde in meinem Leben nie wieder diese Unbeschwertheit leben können, die ich als Kind und als Jugendliche leben konnte. Klar, das innere Kind bleibt bestehen. Bei mir sowieso nicht zu knapp. Ich gehe ab und zu immer noch in die Spielzeugabteilung und schaue mir Barbie-Puppen an. Aber das Gefühl, wenn ich eine Neue wie eine Beute nachhause getragen habe, diese pure Erfüllung wegen etwas in Form gegossenem Plastik… das kommt nicht mehr. Ich werde nicht mehr das Gefühl innerer Wärme spüren, an dem Tag, an dem die Sommerferien beginnen. Die Luft schon glitzert und man weiß: Das wird ein richtig guter Sommer. Bis mittags Schlafen und abends mit Freunden rumhängen. Zu acht in meinem Kinderzimmer übernachten und morgens von Mama böse Blicke ernten, weil man sich unbedingt bis 4:30 Uhr unterhalten musste. Nein – das kommt nicht mehr.

Ich könnte das jetzt endlos ausführen, in Erinnerungen und erinnerten Gefühlen schwelgen. Manchmal, wenn ich so richtig darin aufgehe, kommt das warme Gefühl in der Magengrube wieder hoch, aber nur ganz sanft und mit der Stimme im Hintergrund „Das ist leider vorbei“… das macht mich so wahnsinnig traurig. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Ganze nicht zu magisch sehe, ich kann nur meine Empfindungen beschreiben und die klatschen mir mit flacher Hand ins Gesicht: Aua – ich bin erwachsen.

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Elfenhaus

31.08.10
By Hannah |

„Das Haus sieht aus wie aus Blättern!“

„Da haben früher Elfen gelebt.“, sagt er und lächelt dieses Lächeln, das man Kindern automatisch schenkt, wenn man sie liebt. Dieses Lächeln, das einfach nur bedingungslose Liebe und Schutz zusichert und niemand mehr verdient hat als ein Kind.

„Und warum sind sie weggegangen?“1

„Siehst du das Fenster da? Das haben Menschen in ihr Haus gebaut. Elfen mögen keine Menschen, deshalb sind sie gegangen.“

„Wieso mögen sie keine Menschen?“

„Weil Menschen glauben, dass ihnen alles gehört.“

„Aber wenn das Haus doch den Elfen gehört hat?“

„Das war den Menschen egal.“

„Mir wird sowas nie egal sein!“

„Dann bist du vielleicht eine Elfe.“

  1. ihre Stimme klingt so ernst, dass ich mit lächeln muss. Irgendwann verliert man diese unendliche Ernsthaftigkeit in Gesprächen, aber das Mädchen hat sie noch.

5 einhalb Phasen des Grauens.

30.08.10
By Hannah |

Die letzten Tage und Wochen waren anstrengend. Während mein Geist sich immer drängender nach Weit-Weg, Urlaub und verreisen sehnte und ein gigantisches Fernweh entwickelte, schrumpfte im selben Maße mein Kontostand. Das Schrumpfen des Kontostandes lässt sich in verschiedene Phasen aufteilen.

0. Der Monat wird aber anders.

Jeden Monat nehme ich mir erneut vor, diesmal umsichtiger mit meinem Geld umzugehen. Diese nicht vollwertige und deswegen nur als halbe Sache angesehene Phase tritt willkürlich immer und immer wieder auf, wird aber gekonnt ignoriert, verdrängt, vergessen, verflucht und beweint.

1. Oh, wo ist mein Geld hin?

Phase 1 ist noch nicht weiter tragisch. Ich schaue auf mein Konto, finde etwa 20 Euro weniger, als ich erwartet hatte, wundere mich leise über meine Geldausgaben, die doch gar nicht so exzessiv waren, bringe meine Verwirrung mit einem Grummeln zum Ausdruck, das eher einem Kwietschen gleicht und schließe die Seite, um anschließend etwas zu kochen, was billig ist.

2. Verdammt, das kann doch nicht sein.

In Phase 2 wird das ganze schon tragischer. Meine Vorstellungen weichen nun etwa 50 Euro vom tatsächlichen Kontostand ab – das Glas ist inzwischen nur noch an guten Tagen als halbvoll zu bezeichnen und kleine Ausgaben für Erfreulichkeiten wie Nagellack oder die tolle Wurst von der Metzgertheke fallen weg.

3. Scheiße, das kann nicht wahr sein!

Wir nähern uns in Phase 3 bereits dem Punkt 0 Euro. In heutigen Zeiten bedeutet das natürlich nicht, dass das alles war – schließlich hat ja jeder sein mehr oder weniger großes Dispot eingerichtet – aber alles weitere, was von nun an ausgegeben wird, fehlt uns dann natürlich im Folgemonat. Meine Kontostandvorstellungen weichen hier etwa 80 Euro vom tatsächlichen Stand ab und gleichzeitig wird die Seite öfter aufgesucht – kommt von irgendwoher Geld?

4. O_O Meeeeeh!

Phase 4 ist dann spätestens nicht mehr lustig. Das Minus ist erreicht, befindet sich jedoch noch im -10 bis -20 Euro Bereich. Mit etwas Glück befinde ich mich erst in Phase 4, wenn bereits alle Rechnungen gezahlt sind, was wichtig ist, weil ich mich weigere, solche Dinge zu stunden – bloß nicht noch mehr Schulden anhäufen – und weil Rechnungen nicht zahlen können einfach übelst peinlich ist. By the way wird mich diese Einstellung mal weit bringen, weil ich meine Rechnungen immer bezahlt haben werde und keine Menschen an meiner Tür klopfen können, die mir mein Hab und Gut klauen.

5. Bitte, Ende des Monats, wo bleibst du denn?

Die letzte Phase erreiche ich relativ selten. Meine Vorstellungen des Kontostandes weichen noch immer von der Realität ab – jetzt aber andersrum. Statt zu viel Geld auf dem Konto zu vermuten, vermute ich dort zu wenig, was gut ist, weil ich dadurch natürlich weniger ausgebe. Der Blick auf die Online-Banking Seite wird seltener – das Elend will ich mir nicht antun. Ich bezahle im Supermarkt bereits die halbe Rechnung mit Pfandflaschen und freue mich jedes Mal darüber, dass ich sonst immer zu faul dazu bin, meine Flaschen wegzubringen. Andere haben einen Notfallgroschen unter dem Kissen liegen – ich sammel meine Pfandflaschen.

Aber wie dem auch sei – trotz des nicht zufriedenstellenden Kontostande habe ich Fernweh und das schon seit einer viel zu langen Zeit. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal Urlaub gemacht habe, überlege an Blindbooking Angeboten, die ich mir leisten könnte – wäre da nicht auch noch das Hostel, was man bezahlen muss – und schwelge in Träumen von fernen Ländern und Städten, die eigentlich gar nicht so fern sein müssen, solange sie nur anders, weg von Siegen und fremd sind.

Auf Probe: Vergessen

27.08.10
By Hannah |

Gesungene Flüsse aus Kristall, die aus dem Mund der dicken Frau strömen. Ein Mund, der aufgerissen ist wie das gierige Maul einer Höhle. Nach hinten hin immer dunkler werdend und das feuchte Glitzern ist zugleich verheißungs- und unheilvoll – zumindest solange wir uns metaphorisch noch in den Kreisen der Höhle bewegen, nicht denen der dicken Frau, deren Kristallgesang in der Luft zerbricht und nur niesende Löwenzahnpollen hinterlässt, die zusammen mit meinen Kindheitsträumen davonfliegen. Leicht genug, um abzuheben und doch mit einer Schwere, die mir im Alter die Schultern nach vorne zerren wird, unerbittlich Richtung Boden, als befände sich dort, was ich verloren habe und nur der krumme Gehstock in meiner Krallenhand, angeblich handgeschnitzte und mit dem Wort „Unikat“ versehen, holt mit griesgrämigen Schlägen die Erinnerung an Vergessenes zurück.

Da ist dieser Kerl. Wenn er schreibt, will ich ihn fressen, um so zu schreiben, wie er schreibt. Dann erinnere ich mich, dass ich früher das Buch mit Hannibal Lecter mochte und schelte mich ob meiner stereotypen Gedankengänge. Danach kichere ich ein wenig, vergesse, worüber ich nachgedacht habe und kaufe mir ein Überraschungsei, um die Schokolade mit ihren Kalorien wegzuwerfen und so zu tun, als wäre es gar nicht so einfach, das Spielzeug zusammenzubauen. Anders, wenn im Inneren eine Figur war: Dann trauere ich der Schokolade hinterher, weil sich mir keine Entschädigung für die Figurenttäuschung bietet. Das vergess ich dann aber auch.