Abgesehen von der Trauer, die nach dem Tod meines Dads ein ständiger Begleiter geworden ist, gibt es dann auf einmal auch andere Dinge, die dazu gehören und nach Erledigung schreien. Das einfachste ist es noch, eine Halbweisenrente zu beantragen – organisatorisch leicht, nicht emotional leicht, im Gegenteil. Mir fällt es immer schwer, das Geld zu kriegen. Es in irgendwelche Ausgaben mit einzuplanen. Totes Geld. Geld, dass ich dafür kriege, dass mein Papa tot ist. So fühlt es sich an. Nicht so, als wäre es eine Nettigkeit vom Staat, der akzeptiert, dass ich als „Kind“ durchaus noch eine kleine finanzielle Stütze brauche. Einfach nur wie totes Geld, das mich zu einer ständigen Zerrissenheit führt: Nehm ich das Geld an, weil mein Dad es so gewollt hätte und er froh gewesen wäre, zu wissen, dass irgendwie das abgedeckt wird, was er mir zuvor zusteckte oder verweigere ich es, weil es sich anfühlt wie ein „Armes Kind, dein Papa ist tot, hier hast du 100 Euro.“?
Es ist ein bißchen wie am 15. oder 16. Geburtstag, wenn alle möglichen Verwandten auf einmal entscheiden, dass du jetzt alt genug bist, um Geld zum Geburtstag zu bekommen. Alt genug, um dir deine Wünsche selbst zu erfüllen, bloß dass da dieser leise geflüsterte Subtext ist: „Ich hab keinen Bock, zu überlegen, was du dir wünschen könntest, aber hey, 50 Euro!!“