Blick zurück

18. Oktober 2011 • Kategorie: Papa • Kommentare: 5

Im Spiegel sehe ich Teile deines Gesichts. Ich schneide Grimassen, ziehe die Mundwinkel weiter nach unten, die Augenbrauen dichter zusammen. Solange, bis ich dich in meinen Gesichtszügen erkenne. Solange, bis ich glaube, dass deine Augen mir aus meinem Gesicht entgegen blicken und mir ein Schauer über den Rücken kriecht. Auf einmal finde ich gruselig, wie viel von dir in mir zurück bleibt, aber der Spiegelzauber ist gebrochen, sobald ich zaghaft lächle. So, als würdest wirklich du es sehen, doch in der Sekunde, in der meine Lippen sich bewegen, verschwindet dein Schatten aus dem Glas, deine Mimik von meiner Haut und wie immer bleibt nur ein leeres bisschen Nichts und ich.

Die Leute haben immer gesagt, dass wir einander ähneln. Und was mir früher egal war, weiß ich heute zu schätzen.

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Ach, Geburtstage

Mein Dad mochte seinen Geburtstag nicht. Zumindest hat er immer so getan, als würde er ihn hassen. Schon Wochen vorher fing er an, uns daran zu erinnern, dass er sich nichts wünscht. Dass er auf keinen Fall will, dass wir jemanden einladen. Geschenkt haben wollte er auch nichts. Manchmal machte er Witze darüber, dass wirWeiterlesen →

“Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört”

3. Oktober 2011 ˙ Kategorie: Alltag, Papa ˙ Kommentare: 5

Als ich irgendwann meine Teenager-Pubertät überwunden und wieder auf halbwegs normale Bahnen zurückgefunden hatte, gab meine Mama mir ein Buch. Groß und klobig, mit einem dieser marmorierten Einbände, von denen ich irgendwann mal wusste, wie man sie herstellt – heute aber nicht mehr. In dem Buch bin ich. Sie hat alles gesammelt, was mich betrafWeiterlesen →


Risotto und Aufbruchstimmung

30. September 2011 ˙ Kategorie: Alltag, Papa ˙ Kommentare: 2

Nur kurze Gedankenfragmente, die durch meinen Kopf spuken, aber zu nichts Festem werden wollen. Mein Dad mochte Risotto. Vor ein paar Wochen kochte ich zum ersten Mal selbst eine Rinderbrühe. Würde er noch leben, könnte ich ihm welche machen. Risotto schmeckt mit selbstgemachter Brühe viel besser. Tatsächlich kommt mir jedes bisherige Risotto verschwendet vor, verglichenWeiterlesen →

Von Ämtern und Urkunden

31. August 2011 ˙ Kategorie: Alltag, Papa ˙ Kommentare: 5

Abgesehen von der Trauer, die nach dem Tod meines Dads ein ständiger Begleiter geworden ist, gibt es dann auf einmal auch andere Dinge, die dazu gehören und nach Erledigung schreien. Das einfachste ist es noch, eine Halbweisenrente zu beantragen – organisatorisch leicht, nicht emotional leicht, im Gegenteil. Mir fällt es immer schwer, das Geld zuWeiterlesen →


Mit der Trauer kommt das Schweigen

24. August 2011 ˙ Kategorie: Papa ˙ Kommentare: 2

Man kann dem nicht entkommen. Manchmal kommt diese Trauer und bringt das Schweigen mit und du merkst es vorher gar nicht. Du merkst es gar nicht und dann ist es da und bleibt ein Weilchen. Wie ein Gast, der nicht so ganz erwünscht ist und es nicht rafft, wenn man Dinge sagt wie „Ach ichWeiterlesen →

Als wir im Auto saßen und schwiegen.

12. August 2011 ˙ Kategorie: Papa ˙ Kommentare: 4

Als ich das letzte Mal mit meinem Dad im Auto saß, standen wir vor der Wohnung meiner Mutter, weil er mich gerade zurück brachte. Wir saßen dort und er hatte das Radio schon ausgemacht und es war still bis auf ein paar Autos, die an uns vorbei rauschten. Er guckte vor sich auf das Lenkrad undWeiterlesen →