Okay, okay. Nicht sauer sein. Ja, ich hab von Anfang an gewusst, wer der Schuldige ist, aber habe es für mich behalten. Das ist nicht richtig gewesen, das kann ich jetzt mit aller Gewissheit sagen. Man hätte ganz anders an die Sache herangehen müssen. Dafür sorgen, dass sich nicht erst zwei Lager herausbilden, die bereit sind, sich bis auf den letzten Mann abzuschlachten, während man selbst bequem im Massagesessel sitzt und die Popcorn einem in den Mund platzen. Aber, und ich werde jetzt nicht lügen, es hat Spaß gemacht zu sehen, wie unzählige Debatten geführt wurden und wie aus Otto Normal über Nacht Otto Sprengmeister und Otto Kernphysiker wurde, der seinem Gegenüber erzählte in Grund und Boden brüllte, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sei, dass ein Flugzeug in ein Gebäude rast und sich hinterher komplett atomisiert, woraufhin Max Mustermann sich umgehend in Max Flugzeug-Atomisierungs-Fachgeselle transformiert und nach kurzer Youtube Recherche ein Beweisvideo mit eben genau diesen Bildern verlinkt. Als Gegenreaktion entsteht die hanebüchene faktisch unwiderlegbare “Dokumentation” und das Spiel beginnt von vorne. Ich hab mich köstlich amüsiert: Danke.
Gut, nun hat Hegel behauptet, dass sich die weltgeschichtlichen Ereignisse zweimal wiederholen. Marx ergänzte diesen Spruch mit “Einmal als Tragödie, einmal als Farce.” So. Als Jyllands Posten irgendwann 2006 anfing, Mohammed zu porträtieren und ein islamischer Cartoonist die ganze Sache um einen Schweinekopf bereicherte (und womöglich auf Platz 1 der Bestsellerlisten gekommen wäre, hätte er ein Patent angemeldet), war die Hölle auf Erden. Das Paradies kommt nicht so schnell, das weiß man ja jetzt, aber die Hölle springt alle Schaltjahre mal vorbei und gibt uns einen Vorgeschmack, einen Appetizer sozusagen. Die ganze Veranstaltung, die der Porträtierung Mohammeds folgte, war so krude, dass dieser Teil eindeutig die Rolle der Farce übernehmen muss. Was ist also der Vorlälufer? Ganz klar, 9/11.