Hyperrealer Selbstfindungsprozess

12. März 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 2

Es gibt diesen Moment im Leben, da schaust du deinen Vater/deine Mutter an und siehst in ihnen nicht mehr die bewundernswerten Retter in allen vergangenen und noch zu kommenden Dreckssituationen, die du in Hülle, und glaube mir, in Fülle erleben wirst, sondern zwei gebrochene Menschen, denen du, mit jeder Hilfestellung, die du von ihnen abverlangt hast, ein Stück Lebensenergie geraubt hast. Dann stehen sie nicht mehr vor dir und spendieren Runde um Runde das Zahnpasta-Siegerlächeln frei Haus, sondern sie sind geknickt und, was das Schlimmste ist, mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.

Und dieser Knick ändert alles: Du verabschiedest dich, ganz ohne Handkuss. Du emigrierst tief in dich hinein, fängst an zu suchen, irgendwo in dieser Stille, in diesem Nichts muss es doch einfach einen Halt geben. Du findest nichts. Egal wie sehr man es bräuchte. Sich selbst was vormachen, man sollte das als Überlebensprinzip in die Grundrechte-Charta aufnehmen. Artikel 1: Jeder Mensch hat das Recht, sich etwas vorzumachen. Anders erträgt man das Leben nicht. Wir geloben feierlich, dieses Grundrecht aller Menschen als solches zu akzeptieren und unseren Mitmenschen nicht mit der Moral unseres Zeigefingers auf die Nerven zu gehen.

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