Getrennte Sinne

01.08.10

Hören

Ein ignoriertes Telefonklingeln am Morgen, das mich aufwachen lässt. Monotones Stimmengewirr im Supermarkt, das jeden unsichtbar werden lässt. Dröhnende Lastwagenhupe, die mich gedanklich in die Wüste rund um Las Vegas katapultiert, die in meinem Kopf aufgrund verschiedener Hollywoodproduktionen so präsent ist, als würde ich dort leben. Aufsteigende Tauben, die hektisch vor dem lauten Klang flüchten und dabei das klatschende Geräusch schlagender Flügel erzeugen, dass ich nicht leiden kann. Prasselnder Regeln, der in kleinen eisigen Bällchen auf meine Fensterscheibe trifft, die dringend mal wieder geputzt werden muss. Sanfte Geigenklänge, die mich vergessen machen.

Sehen

Das blinkende rote Licht am Telefon, sobald es klingelt. Hektisch herumlaufende Menschen, die wirken, als wäre samstags stets die letzte Chance, sich jemals wieder mit Nahrungsmitteln einzudecken. Ein graues Monster von Lastwagen, das fast den kleinen Smart überfährt, der viel zu schnell aus einer Parklücke rast. Viele graue Punkte, die zum Himmel aufsteigen, ohne sich um die dazwischen herabfallenden Regentropfen zu kümmern. Der wallende Visualisierungshintergrund meines Media Players, der mir Musik zeigt.

Fühlen

Ein Vibrieren neben meiner Hand, das sich durch die ganze Matratze zieht. Unruhe und Nervosität, die von anderen auf mich übergeht, zugleich das Gefühl, gar nicht da zu sein, weil jeder nur sich selbst beachtet. Mein rascher Herzschlag, der unter meiner Haut pulsiert und sich beschleunigt, als die Hupe erklingt. Wehmut, als die Vögel zum Himmel aufsteigen und sich das Regentrommeln mit der Geigenmusik mischt.

Das Gesamtbild verwischt alle Einzelteile zu einem Ganzen. Nur der Geschmack ist nie derselbe.