Mein Cross-Trainer ist kaputt. Die Schwierigkeitsstufen funktionieren nicht mehr. Normalerweise laufe ich auf Stufe zehn, bei ca. 2.8 km/h. Der Puls tingelt dann in der Gegend von 158 rum. Das sind ideale Voraussetzungen für eine Joggerlunge. Phasenweise habe ich mit dem Gedanken gespielt, Stadtmarathons zu gewinnen. Das scheiterte allerdings daran, dass ich ein erklärter Feind von Funktionswäsche bin. Was das angeht, bin ich altmodisch. Ich will den Schweiß zwar nicht unbedingt riechen, aber auf jeden Fall sehen. Auf hohem Niveau abgebrannt. Jede Wette, dass man doch durch Luftanhalten sterben kann. Lauft erst mal 42km und haltet dann die Luft an. Ich gebe euch 15 Sekunden bis zur Ohnmacht. Wie gesagt, Funktionsunterwäsche finde ich unvorteilhaft, darum findet man mich auf dem Cross-Trainer.
Mitunter habe ich aus blinder Motivation heraus den Display in die Knie gezwungen: 99:57, 99:58, 99:59. Moment gottgleicher Erhabenheit. Friss das, Technik. Dann zeigt der Display 00:01 und meine Totalverausgabung verwandelt sich binnen eines Wimpernaufschlags in den größten Pyrrhussieg, den ich je erleben durfte. Was für eine bodenlose Unverschämtheit, die 00:00 zu überspringen. Technik hat zwar kein Herz, aber gleicht das durch übermäßig viel Selbstgefälligkeit aus. Liegt wohl auch an meiner Naivität; ich hatte mit einer kurzen „You Win“-Displayanimation gerechnet. Stattdessen gab es eine Lektion: Jeder erfüllte Wunsch wird mit einer Extraportion Gleichgültigkeit ausgeliefert. Scheiß drauf, solange das mit dem attischen Körperideal aufgeht, dachte ich. Ging es nicht, die Liebe funkte dazwischen. Ich habe mich 1 ½ Jahre nicht mehr um Fitness gekümmert und vertraue jetzt vollkommen auf die Memory-Funktion der Muskeln. Gegenargumente wurden erfolgreich abgeschirmt. Aber jetzt funktioniert das Teil nicht mehr. Jeder Druck auf eine beliebige Taste setzt den Reset-Modus in Gang. Dieser wiederum startet automatisch bei Stufe 1. Vom Schwierigkeitsgrad her ist das vergleichbar mit den Eigenschaften von Wasser, Prinzip des geringsten Widerstandes. Kein Problem, könnte man denken, dann läufst du halt schneller. Geht aber nicht, denn ab einer gewissen Geschwindigkeit schnellt der Puls in unverhältnismäßige Höhen. Das ist kontraproduktiv und deswegen furchtbar ernüchternd.